Eigenproduktionen

fabric projektionen
2008

 

„Lebenskunst besteht darin, die eigene Natur mit der eigenen Arbeit in Einklang zu bringen.“ Luis de León (1528-1591)

Das Kulturzentrum Tuchfabrik steht – schon allein dem Namen nach – nicht nur für das, was es heute ist, sondern auch für das, was es einstmals war. Es war und ist ein Werk- und Arbeitsraum, wenngleich in ganz unterschiedlichem Kontext, dessen ursprüngliche Anmutung bei seiner Überführung vom Industrie- zum Kulturraum bewusst belassen wurde. So ist der einzig verbliebene Industriemonolith in der Trierer Innenstadt ein Gedächtniskörper, der durch seine zwiespältige Erscheinung als gestrigem Produktions- und heutigem Kontemplationsraum auch unsere veränderten Vorstellungen von Lebens- und Arbeitswelten dokumentiert. Auf seiner Haut soll dieser Wandel sichtbar werden.

In einer assoziativen Bildfolge an der TUFA-Fassade wird die Tuchfabrik zwischen dem 1. Mai und dem 30. September 2008 als moderner und historischer Arbeitsplatz und Lebensraum erfahrbar. Neben dem Gebäude stehen die hier arbeitenden Mitarbeiter, Workshopleiter und Pädagogen, vor allem aber Kunst und Künstler im Vordergrund. Dazwischen tauchen Bilder der Vergangenheit des Geländes, auf dem zeitweise über 1000 Menschen lebten, auf. Die Differenz der Bilder mag Aufschluss darüber geben, ob die Tuchfabrik von heute eine bessere Möglichkeit bietet, „die eigene Arbeit mit der eigenen Natur in Einklang zu bringen“.


Jens Förster
Paarhufer sind niemals allein
2005

 

Kabarretttheater und Songs mit
Jens Förster (songwriter und Sänger)
Hans-Jörg Neuner (Klavier)
Stefan Scheib (Kontrabass)


Köster ist ein erfolgreicher Mann, Ostwestfale und Professor der Evolutionsbiologie. Nach einem Kongress sitzt er in einem New Yorker Hotelzimmer fest. Die amerikanische Regierung hat die Stadt hermetisch abgeriegelt und die Nachrichten- und Pornokanäle ausgeschaltet, weil sie in drei Stunden von einem Tsunami geschlagen wird und man Aufstände und mediale moralische Vermüllung der Sterbenden vermeiden will. Man kann zappen, wohin man will: Im Fernsehen kommen nur noch Tierfilme. Einer geht über Paarhufer. Das sind Tiere, die vor allem dazu da sind, von den interessanten Tieren der Welt gefressen zu werden. Langweiliges Fleischgras, das ein Leben lang mit seinen Partnern zusammenlebt und sich dabei erkennbar auf den Geist geht. Während Katzen manchmal zu lachen scheinen, haben Paarhufer immer einen Gesichtsausdruck wie ein in Kacke tretender Siebenjähriger. Das sind Tiere, so Köster, die haben die endogene Depression erfunden. Kein Wunder, denn wer interessiert sich schon für die? Es gibt nicht mal einen anständigen Brehms über die Paarhufer! Es gibt einen Film: "Der Bär!". Es gibt einen Film: "Lassie!". Aber es gibt keinen Film: "Das Gnu!". Oder: "Die Hirschziegenantilope!". Oder: "Gustav, der Moschusochse!"

Köster gehen tausend Gedanken durch den Kopf: Warum sind sich Menschen treu und warum haben sie doch so häufig Lust, auswärts essen zu gehen? Und warum hat er diese Lüste häufiger als andere? Seine Disziplin, die Evolutionsbiologie, versucht diese Fragen zu beantworten, jedoch sind diese Erklärungen stichhaltig? Die Theorie vom egoistischen Gen, die Theorie vom parentalen Investment, sind sie nicht alle mentale Masturbation? Und: Hat er nicht ein ganzes Leben lang viel zu eng gedacht und alles verpasst? Sein Leben an die Karriere verplempert? Wie geht es weiter? Wird er wiederauferstehen und seine gute Mutter und ganz Ostwestfalen damit zu Tode erschrecken? Oder reinkarniert er als Löwe, als unglücklicher Zugvogel, der ausgerechnet über Ostwestfalen tödlich verunglückt, oder gar als Paarhufer? Wird man Gelantine aus seinen Füßen machen? Endet er womöglich als Gummibohne im Aldiregal? Aus verständlichen Gründen will er das alles nicht und fängt an gegen sein Schicksal anzusingen. Und: Er will noch etwas erleben. Im Hotel sind doch auch noch andere Menschen eingesperrt! Ist dies nicht eine Nacht, perfekt für die Liebe?

Ein Kritiker schrieb einmal: "Ein Abend mit Jens Förster gleicht einem Hase-und-Igel-Spiel: in dem Moment, wo der Zuschauer meint, ihn irgendwo hinstellen zu können, grüßt er schon längst aus einer ganz anderen Ecke."
So ist es auch dieses Mal wieder. Neben skurril komischen und tieftraurigen Texten wird eine wilde Mischung von Songs präsentiert, die von kultig über experimentell bis einfach schön rangieren. Terry Truck hat eigens für diesen Abend Texte von Förster komponiert, und vor allem die Arrangements der Musiker für bekannte Schlager, Chansons und Songs sind für Überraschungen gut: Schließlich wird Förster dieses mal vom klassischen Pianisten Hans Jörg Neuner und dem Jazzer und Experimentalmusiker Stefan Scheib am Kontrabass begleitet.



»... der Wahnsinn ist im Tal«

2004




 

»... der Wahnsinn ist im Tal« - Jean-Paul Sartre auf dem Petrisberg
Objekt- und Klanginstallation von Thomas Scheider


Zwischen Juli 1940 und März 1941 war der französische Schriftsteller und Philosoph Jean-Paul Sartre, der im zweiten Weltkrieg als Wettersoldat diente, Insasse des Kriegsgefangenenlagers auf dem Trierer Petrisberg. Dort schrieb er sein erstes Theaterstück "Bariona oder Der Sohn des Donners", das Weihnachten 1940 im Lager uraufgeführt wurde. Später begann er mit Arbeiten an einem fiktiven Tagebuch des Soldaten Mathieu, in dem die Zustände auf dem Petrisberg, das Lagerleben und die Gefühlswelt der Internierten beschrieben werden.

Im Rahmen der Landesgartenschau 2004 hat das Théâtre Tête à Tête eine Objekt- und Klanginstallation gezeigt, die mit Auszügen aus Sartres Mathieu-Textfragment und Gegenständen aus dem ehemaligen Lager arbeitete. Die Ausstellung war vom 22.04. bis zum 24.10.2004 in einer original Baracke zu sehen sein, ähnlich der, in der Sartre gefangen gehalten wurde. Die Soundcollage wurde anschließend vom Stadtmuseum Simeonstift erworben.



Jens Förster Phönixfedern
2004

 



Wohl kaum ein Konzert des Songwriters und Chansonniers wurde so enthusiastisch gefeiert wie „Phoenixfedern“. Im Mittelpunkt dieses ebenso heiteren wie melancholischen, zugleich skurrilen und klassischen und dabei verträumt-intelligenten Chansonabends steht die Liebe, das Feuer der ersten Begegnung, die Erdung in einer festen Beziehung, die Tränen zum Abschied und die Gefühle, die sich schließlich in Luft auflösen. Neben eigenen Songs singt Jens Förster Titel von Barbara, Brel, Raben, Schubert, Weill und anderen.

„Phoenixfedern“ ist zugleich auch eine Reise durch die verschiedensten Genres: Da steht das klassische Chanson neben einer traditionellen Weise aus Transsilvanien und eingängigen Poptiteln, und auch in die Operette, die Romantik und die Vorklassik wagt sich der ausgebildete Opernsänger vor.